Die Legende der Drachenkaiserin


Kaum einer erinnert sich an die Zeit, doch die Legende lebt als wäre es erst gestern gewesen. Jene Legende über das Zeitalter der Drachen und ihrer Herrscherin –der Drachenkaiserin- die das Land Welder mit Wohlstand und Freiheit regierte. Blühende Landschaften und ausreichend Nahrung, kein Hass, keine Gewalt, weder Mord noch Totschlag waren in Welder zu finden. Ob arm oder reich, für jeden war ausreichend gesorgt und es lebte sich wie in einem Paradies. Die Kriege der alten Zeiten waren vergessen und mit ihnen ihre Dämonen und Schrecken. Auch daran hatte sie Teil. Dabei war sie nicht Mal aus Welder. Sie stammte aus einem fernen Land. Sie war als Drache erschaffen worden, aber ihre wahre Gestalt was für den normalen Menschen nicht zu erkennen. Sie war eben noch im Krieg gegen Den Schöpfer der Orks Gadan gewesen und plötzlich erwachte sie an der Küste Welders. Sie versuchte mit ihrer Schöpferin Owen im Geiste Kontakt aufzunehmen, aber es war als sei sie einfach verschwunden.
Das warf sie in eine tiefe Depression.
Sie streifte durch das Land und sah wie die Menschen litten. Die Menschen waren das Volk, welches ebenfalls von Owen erschaffen ward und über das sie wachte.

Sie beschloss das Leben der Menschen zum besseren zu wenden.
Das war ihre neue Aufgabe. Dafür war sie geboren. Sie brachte sie das einfache Volk durch ihre suggestiven Kräfte schnell auf ihre Seite und zusammen führten sie einen Erbarmungslosen Bürgerkrieg gegen die herrschenden Familien. Was ihnen an Kenntnissen fehlte, machten sie durch Mut und Entschlossenheit wett. Schlussendlich gelang der Sieg und sie bestieg den Thron als Kaiserin. Fortan lebte das Kaiserreich in Frieden und Freundschaft mit ihren direkten Nachbarn, im Osten mit dem Königreich Vendjur und ihrem König Argos, im Norden mit dem Stamm der Beduar und dem Volk am Berghang, sowie im Süden mit Aladyan dem Königreich der Elfen, welches durch den weisen König Lariel geführt wurde.
Selbst die Stämme der Zwerge im Hartwallgebirge im Norden des Landes, sowie ihre Brüder im Pfeilgebirge im Osten begannen regen Handel mit dem Kaiserreich…

Doch der Sage nach überließ die Göttermutter Gaia in dieser Zeit ihr Erbe
an ihre drei Kinder Par, Lea und Tar und zog sich in der göttlichen Unendlichkeit zurück. Doch während Par und Lea das Werk ihrer Mutter genossen und ihr Andenken pflegten, spielte Tar mit seiner Macht und schuf neue Wesen die er in der Huangmo aussetzte um mit ihnen ein böses Spiel zu treiben. Er schuf neue Dämonen und Wesen der Dunkelheit und er gab ihnen die Gabe einer bösartigen Magie, ohne zu wissen was er damit anzurichten vermochte. Von Hass und Gier geleitet verließen die Wesen die Huangmo und griffen in kleineren Horden das Königreich Vendjur im Grenzgebiet zu Welder an.
Als Par von den Missetaten seines Bruders erfuhr, stellte er ihn zur Rede, jedoch reagierte Tar alles andere als einsichtig. Daraufhin konnte Par vor Schmerz und Wut seine Tränen nicht mehr unterdrücken und diese fielen in strömenden Regenfällen zu Boden und verhärteten sich im Gestein zu metallenem Erz. Die Stämme der Zwerge stießen bei ihren Grabungen als erstes auf das neue schimmernde Erz, welches bläulich leuchtete und verkauften es an die Menschen in Vendjur um daraus neue, härtere Werkzeuge zu schmieden. Nachdem Lea streitschlichtend zwischen ihren göttlichen Brüdern vermittelt hatte, beschloss Tar seinen Fehler wieder gut zu machen und erschien König Argos um ihn zu zeigen, wie aus dem neuen Metall wirkungsvolle Schwerter, Äxte und Speere geschmiedet werden konnten, um damit seine Feinde zu besiegen. Argos tat wie ihm geheißen und er rüstete sein Volk mit den neuen Waffen aus und trieb seine Gegner zurück in die Huangmo und mit Tars Segen legte er einen Fluch auf die Ländereien hinter dem Totengebirge. Und der Frieden war wieder hergestellt.

Doch in der Zwischenzeit verlor Tar die Kontrolle über eine seiner Kreaturen, einem bösartigen Dämon, der sich in Gestalt eines Menschen unter diese gemischt hatte und dort mit einer Frau ein Kind zeugte. Das Kind erhielt den Namen Gabon, was auf alt weldanisch so viel wie „der Erlöser“ bedeutete.
Gabon war ein kluges Kind und sein Hunger nach Wissen war unersättlich und seine Gabe für Magie unübersehbar, so dass Gabon von den „Alten Weisen“, den Magiern von Welder nach Welen eingeladen wurde um dort die Kunst der Magie zu studieren. In der Stadt der Magier wuchs Gabon zu einem kräftigen jungen Mann heran und er erlernte die Kunst der Magie schneller als jeder andere. Doch fiel es auf, dass Gabon nach seinem fünfundzwanzigsten Sommer nicht mehr zu altern schien und als das Getuschel darüber immer lauter wurde, verließ er Welen um als magischer Berater am Hofe von König Argos anzuheuern. Argos war mittlerweile in die Jahre gekommen und so beauftragte er Gabon damit einen Jungbrunnen zu finden der ihn genauso jung halten möge, wie die Drachenkaiserin in Welder.
Gabon verzweifelte an der Aufgabe, bis ihm in einem Traum ein Wesen aus Feuer erschien, welches ihm die Hauptzutat zu seinem Jungbrunnen geben würde, das Blut der Elfenkönige.
So machte sich Gabon auf nach Aladyan um dort am Hof von König Lariel mit einer List um königliches Elfenblut zu bitten. Mit dem Vorwand, König Argos sei schwer erkrankt und nur das Blut der Elfen könne ihn retten, bewilligte man seine Bitte. Gabon kehrte zurück und sein Heiltrank, der ihm im Traum durch seinen feurigen Gönner geboten wurde, erzielte auch zuerst die erwartete Wirkung. Argos wurde wieder jung und kräftig, doch dieses hielt nur für wenige Monate an und die Alterung seines Körpers schritt nun wesentlich schneller voran, als zuvor.
Aus Angst vor dem Tod entschloss er sich selbst ins Königreich der Elfen zu reisen, um dort erneut Blut für einen weiteren Jungbrunnen zu erhalten. Doch als die Elfen die Wahrheit über den Gebrauch ihres königlichen Blutes erfuhren lehnten sie Argos Bitte mit der Begründung, sich nicht in die Natur der Menschen einmischen zu wollen, ab.
Argos reiste erzürnt in sein Königreich zurück und aus seiner Verzweifelung heraus, dem nahen Tod vor Augen, erklärte er Aladyan den Krieg, in der Hoffnung so an königliches Blut zu kommen.
Doch die Truppen rieben sich gegenseitig auf und zwei Jahre vergingen ohne das eine Seite entscheidende Akzente setzen konnte.
Argos merkte nun das der Tod ihn nicht mehr verschonen würde und vor lauter Wut, machte er Gabon für seine Missetaten verantwortlich und ließ ihn in Ketten legen.
In des Königs Augen war er schuld an seinen nahen Tod und daher sollte er mit ihm gemeinsam dieses Schicksal teilen.
So ließ er Gabon nach Damash verbringen, einer Geisterstadt in der Huangmo um ihn dort in einem magisch geschützten Gefängnis auszusetzen, wo er den Tod genauso qualvoll erleiden sollte, wie König Argos selbst. Als man Gabon den Temperaturen der Sonne aussetzte schwor er immerwährende Rache gegen Vendjur.
Gabon geriet in Vergessenheit und Argos verstarb. Sein Nachfolger König Talik schloss Frieden mit den Elfen, nachdem die Drachenkaiserin im Streit vermitteln konnte.
Weitere dreizehn Jahre gingen ins Land, als ein gewaltiges Erdbeben Vendjur und Welder erschütteten. Elfische Kundschafter berichteten von einer Armee im Osten des Landes, im Pfeilgebirge und an der Spiegelpforte. Das selbe berichtete der Stamm der Beduar, die Riesen aus dem Hartwallgebirge. Talik schickte als erstes Königreich Truppen zur Spiegelpforte und verlor in nur einer Nacht in der ersten Schlacht von Beldagur (dem heutigen Leaf) fast die Hälfte seiner Soldaten. Die dunklen Horden, bestehend aus Orks, Trollen, Oger, Goblins und Drows rückten weiter ins Landesinnere vor und eroberten weite Teile von Aladyan, Welder und Vendjur. Angeführt wurden sie dabei von einem Magier dämonischen Blutes – Gabon Damash, wie er sich nun selbst nannte.
Unter der Führung der Drachenkaiserin schlossen sich die Elfen, Vendjuren, Weldaner, der Stamm der Beduar und das Volk am Berghang zusammen um der gewaltigen Übermacht zu trotzen.
Einhundertundsiebzehn Zyklen Krieg waren die Folge, Hunderttausende fanden den Tod auf den Schlachtfeldern und der Stamm der Beduar wurde dabei nahezu ausgerottet. Doch gemeinsam zwang man den Feind zurück. Als der Sieg schon so gut wie sicher schien, stellte sich Gabon Damash erneut bei Beldagur den Armeen der vereinten Königreiche und der Drachenkaiserin. Neunzig Tage und Nächte tobte die Schlacht, ehe der Sieg errungen werden konnte. Doch Gabon Damash`s Macht war zu groß geworden um ihn zu töten und so blieb der Drachenkaiserin nur die Möglichkeit mit Hilfe ihres Großmagiers Sogod Leaf die Seele von Gabon Damash zu bannen. Doch dieses gelang nur, durch die Bereitschaft der Drachenkaiserin ihre eigene Seele zu opfern und diese in neun Dracheneiern zu verschließen. Das Ritual gelang und Damash wurde gebannt, jedoch war seine Macht bei der Bannung stärker als Sogod angenommen hatte. Er verlor die Kontrolle über das Ritual und die Dracheneier, so dass ein magischer Wirbel diese über die Ländereien der vereinten Königreiche verteilte.
Das Erbe Damash wurde an eine Waldhexe gebunden, die sich tief in die Wälder von Beldagur zurückzog, um dort ihre Aufgabe zu erfüllen, den größten Schwarzmagier Welders für immer dort gebannt zu halten.
Die Trauer über den Verlust seiner Herrscherin traf indessen Sogod so stark, dass er Tar anflehte ihn mit ewigen Leben zu segnen, bis er die Dracheneier gefunden habe, um so die Drachenkaiserin erneut zu erwecken. Tar jedoch war über eine solche Forderung die ein Mensch an ihn –einem Gott- richtete so erzürnt, dass er Sogod zwar unsterblich machte, ihn aber mit einen Fluch belegte. Dieser besagte das Sogod Leaf sich erst in dreihundert Zyklen wieder an die Drachenkaiserin erinnern könne und er die Eier nur mit Hilfe der wahren Gläubigen finden könne. Auch so lange würde er sich nicht daran erinnern können, wer er selbst sei.
Als Sogod der Fluch getroffen hatte, stand er zwischen Tausenden von Toten am Rande einer zerstörten Stadt, ohne einen Funken Erinnerung was geschehen war.
Doch sein Instinkt vermochte es den überlebenden Menschen der Schlacht zu helfen, ihre Wunden zu heilen und ihnen Mut zuzusprechen.
Die Menschen wussten, was Sogod geopfert hatte und sie erbauten die Stadt die in Trümmern lag neu und nannten sie ihm zu Ehren Leaf.
Einige Jahre saß Sogod noch in den Tavernen der neu errichteten Stadt, bis er eines Nachts in die Wälder von Leaf aufbrach und nie wieder gesehen wurde.

Viele Jahre später überlieferten Boten eine Weissagung eines Orakel aus Tagaljadur, welche besagt, dass eine Zeit kommen wird in der Gabon Damash durch die Hilfe eines Assasinen befreit und erneut Krieg über das Land hereinbrechen werde. Es wird die Zeit jener Helden sein, die sich auf die Suche nach den neun Artefakten machen werden, um die Drachenkaiserin erneut zu erwecken….

Hier endete das Zeitalter der Drachen und das des Minotaurus begann…..